Pressemitteilung
Ist die Welt gerettet, wenn wir das Klima retten?
Dr. Andreas Segerer beleuchtete im Gautinger BOSCO die Krise der Artenvielfalt
Dr. Andreas Segerer im BOSCO
Reicht es, den Klimawandel zu bremsen, um die Zukunft unseres Planeten zu sichern? Mit dieser Frage beschäftigte sich Dr. Andreas Segerer bei seinem Vortrag „Ist die Welt gerettet, wenn wir das Klima retten? – Artenvielfalt in der Krise“ am 6. Oktober im Gautinger Bosco. Zu dem Abend hatte der ÖDP Kreisverband Starnberg eingeladen. Der Entomologe, Buchautor und ehemalige Vizepräsident der zoologischen Staatssammlung machte vor einem interessierten Publikum deutlich: Klimaschutz ist eine zentrale Aufgabe – aber er allein wird nicht genügen.
Sieben der neun planetaren Grenzen überschritten
Anschaulich führte Segerer seinem Publikum vor Augen, dass der Klimawandel nur eine von insgesamt neun sogenannten planetaren Belastungsgrenzen ist. Sie beschreiben jene zentralen Prozesse des Erdsystems, innerhalb derer die Erde einen für die Menschheit sicheren und stabilen Lebensraum bietet. Dazu gehören neben der Klimakrise unter anderem die biologische Vielfalt, die Landnutzung, die Umweltverschmutzung, die Stoffkreisläufe sowie die Versauerung der Ozeane.
Die Entwicklung ist alarmierend: Sieben der neun planetaren Grenzen sind inzwischen überschritten. Dies betrifft neben der Klimakrise unter anderem die Schädigung der Natur, die Veränderung der Landnutzung, den Süßwasserkreislauf, die Überdüngung, den Eintrag neuartiger menschengemachter Substanzen und die Versauerung der Ozeane.
Gerade die biologische Vielfalt spielt dabei eine Schlüsselrolle. Arten und Ökosysteme sind nicht nur ein schützenswertes Gut an sich, sondern übernehmen zentrale Funktionen für das gesamte Erdsystem. Intakte Ökosysteme speichern Kohlenstoff, regulieren Wasserhaushalte, bilden Böden und tragen zur Stabilität natürlicher Kreisläufe bei. Die planetare Grenze für die Funktionsfähigkeit von Ökosystemen und Artenvielfalt ist laut aktuellem Planetary Health Check des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung bereits deutlich überschritten.
Damit wird deutlich: Die Klimakrise und die Biodiversitätskrise lassen sich nicht getrennt voneinander betrachten. Wer ausschließlich auf die Reduktion von Treibhausgasen schaut, greift zu kurz. Umgekehrt können Maßnahmen für den Klimaschutz selbst Auswirkungen auf die biologische Vielfalt haben – etwa dann, wenn Flächen für Energiepflanzen oder andere Nutzungen benötigt werden.
Natürliche Lebensgrundlagen erhalten
Segerers Vortrag lenkte den Blick deshalb auf die größere Perspektive: Es geht nicht nur darum, die Erderwärmung zu begrenzen, sondern die natürlichen Lebensgrundlagen insgesamt zu erhalten. Die neun planetaren Grenzen bilden dabei einen wissenschaftlichen Rahmen, um den Zustand des Erdsystems und die zunehmenden Risiken einzuordnen.
Die gute Nachricht: Veränderung ist möglich. Ein Beispiel liefert die Entwicklung der Ozonschicht. Durch internationale Zusammenarbeit und das Montrealer Protokoll konnte die Belastung deutlich reduziert und eine Erholung der Ozonschicht eingeleitet werden.
Was aber kann konkret zu einer Verbesserung beitragen? Neben konsequentem Klimaschutz braucht es eine ökologische Agrarreform, Renaturierung statt weiteren Flächenfraß und eine Ausrichtung wirtschaftlicher Interessen an den ökologischen Notwendigkeiten. Und auch jeder Einzelne kann etwas tun: Wer im eigenen Garten der Natur Raum gibt, auf Pestizide und unnötige Versiegelung verzichtet und heimischen Pflanzen und Tieren Lebensraum lässt, leistet einen kleinen, aber sehr wichtigen Beitrag.
Der Abend im Bosco, zu dem der ÖDP Kreisverband Starnberg eingeladen hatte, machte damit vor allem eines deutlich: Die Frage „Ist die Welt gerettet, wenn wir das Klima retten?“ lässt sich nicht mit einem einfachen Ja beantworten. Klimaschutz bleibt unverzichtbar – aber eine lebenswerte Zukunft braucht ebenso den Schutz der Artenvielfalt und der natürlichen Systeme, von denen unser Leben abhängt.
